Jahresbilanz

Jahresbilanz 2008

Noch während der Weiterbildung meldete ich meine E-Mail Adresse an, Ende April hatte ich die letzte Prüfung für den Europäischen Computer-Führerschein bestanden und im Juni begann ich, ein Space einzurichten, etwas, dass im EDV-Unterricht nicht vermittelt wurde.

Im Sommer endete die Weiterbildung, ich hatte wieder etwas dazu gelernt, nur der Arbeitsmarkt war nicht ver- ändert.

Ende September stieg ich mit Verspätung in die erste Qualifizierungsphase am Abendgymnasium ein, die ich fast drei Jahre zuvor unterbrechen musste und konnte fest- stellen, dass der Stress an den Schulen durch die Aufla- gen des Zentralabiturs noch größer geworden ist. Durch- beißen war angesagt und im November kam das erste befürchtete Down.

So viel, wie in diesem Jahr, habe ich mich noch nie in meinem Leben mit fremden Menschen auseinander ge- setzt, was eine Folge meiner Internetaktivitäten war. Entsprechend viel habe ich nachgedacht und auch geschrieben. Als Fazit kann ich zur Stunde nur sagen: „Dieses Medium ist eine irreale Welt und ich fürchte, das wird es bleiben.“ Die wenigsten machen sich echte Gedanken über die sogenannten Freunde und es ist daher nicht unbedingt falsch, dem Kind einen anderen Namen, nämlich >Netzwerk< zu geben. Es verleitet nicht so schnell dazu, sich gutgläubig anderen Usern anzuvertrauen.

Heute Abend läuft eine Dokumentation über die 70er Jahre bei phoenix, sehr ausführlich. Studentenrevolten, Vietnam Krieg, Flower-Power Bewegung, Gleichberechtigung der Frau, Abtreibungsparagraphen, Mao und RAF… was ist geblieben? Ein müder Haufen. Kaputt geschlagen von den ausführenden Organen der Gesetzgebenden, die sich um ihre Tantiemen sorgten. Wenige sind geblieben von denen, die aussprachen, was auf dieser Welt nicht in Ordnung ist. Alice Cooper, Patty Smith, R.W.Fassbinder und Alice Schwarzer – das sind Namen, die belächelt werden von der nachfolgenden Generation. Leider wird in Schulen nicht darüber informiert, welche Rolle diese „lauten“ Menschen für eine Weiterentwicklung gespielt hatten oder noch spielen. Und es fragt auch niemand danach, wie sich die dazu gehörigen Generationen fühlen. Es ist im Grunde das gleiche, dass unseren Urgroßmüttern widerfahren ist, nachdem sie sich dafür stark gemacht hatten, dass sie an Universitäten studieren durften, zu meiner Zeit als Zwan- zigjährige eine Selbstverständlichkeit, über die sich auch schon niemand mehr Gedanken machte, wer das ermöglicht hat.

 

Aus meinem realen Leben gibt es kaum etwas zu berichten bzw. zu bilanzieren, denn es bewegt sich eher auf der Stelle, wie seit Jahren schon. Eine offensichtlich altersbedingte Situation. Es inter- essiert sich niemand wirklich für den anstehenden demografischen Wandel. Statistiken werden erstellt für teures Geld, Maßnahmen zur  „Qualifizierung“ werden staatlich verordnet, führen aber nur die Menschen, die sich voll und ganz einer Sache ver- schreiben und überdurchschnittliche Leistungen erbringen mit etwas Glück aus der Arbeitslosigkeit heraus. Unabhängig von staatlichen Zuschüssen sind sie dadurch aber noch nicht. Diejenigen, die sich aus ihrer Arbeitslosigkeit durch Gründung einer Ich-AG retten wollten, fühlen sich irgendwie im Stich gelassen, um es mal milde auszudrücken. Die Unter- stützung endete ungeachtet der Schwierigkeiten, die eine allgemein wackelige Wirtschaftslage mit sich brachte.

Viele dieser Leute können nicht verstehen, warum sie im Stich gelassen und großen Konzernen hingegen Riesensummen zur Rettung angeboten werden. Wer sich mit dem Thema Existenzgründung befasst hat,  kann nachvollziehen, woher Probleme in einem neuen Unternehmen rühren und dass bei den minimalen Hilfsmitteln, die den Ich-AGlern bereit gestellt wurden, diese Probleme unweigerlich auftreten mussten.

Es ist viel geredet worden in diesem Jahr und es wurde viel gereist, befriedigende Ergebnisse lassen auf sich warten.

Was bleibt, wenn man sich nicht mehr anpasst oder sich nach langer Unangepasstheit versucht zu arrangieren, einen Kompromiss zu machen?
Die Erkenntnis, dass es im Herzen nicht stattfinden kann und im Innern ein ständiges Unwohlsein erzeugt.
Hallo – rufen die Jüngeren – wo bleibt der Spaß? Ich frage: „Welchen Spaß meint ihr denn?“ Ballermann, teure Markenkleidung, Partylife… und dann? Jeder wird mal müde.
Tsunami und Co. – wie lebt man nach einer Katastrophe? Ich weiß es, und die Bilanz von diesem Jahr: ich bereue, dass ich vor zwölf Jahren meine Strohhütte verlassen und mich in das allgemein Gül- tige anzupassen versucht habe. Die notwendige soziale Eingebundenheit gibt es nur, so lang man sich an die Regeln hält. Das war auf beiden Seiten so. Und darum hätte ich genauso gut da bleiben können. Es ist egal, wo das Wichtigste fehlt.

Maybe, will be continued…

 



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