6.Januar 2009
Es macht sich doch allmählich die Sehnsucht breit nach diesem unbeschwerten Bewegen auf den schummerigen Tanzflächen mit ihren rotierenden Farblichtern, nach einem ausgiebigen Tischtennisspiel oder ausgedehnten Bergwanderungen. Stattdessen wartet ein heißes Sprudelbad auf meinen lädierten Rücken. Fast bereue ich die Tage, an denen ich mich nicht mit der Existenz von Wirbelsäulen befassen musste und vergnügt im Gartenbeet herum buddelte. Es ist schon so unglaublich lange her und ich frage mich, warum es mir gerade jetzt und warum überhaupt erst jetzt bewusst wird, wie lange ich auf ein Fortsetzen jenes Lebens gewartet habe. Vierzehn Jahre sind eine lange Zeit. Das merkwürdigste an dieser Zahl ist die Tatsache, dass ich genau so lange jetzt auf die Fortsetzung gewartet habe, wie ich das ersehnte Leben zuvor schon einmal gelebt hatte. Früher fielen mir Entscheidungen wesentlich leichter, auch die Entscheidung vor vierzehn Jahren, Abstand zu gewinnen von etwas, dass aus dem Ruder laufen wollte in eine schreckliche Richtung. Heute muss ich schweren Herzens zugeben, dass eine geklebte Schüssel tatsächlich nicht mehr klingen kann wie zuvor und leider gefällt mir der neue Klang gar nicht, denn er hat keinen Klang. Er ist nur ein dumpfes Etwas. All das Verkriechen, um eine vage Hoffnung zu schützen, stellt sich als verschwendete Zeit heraus und will endlich beendet werden. Da gab es in den letzten Jahren viel zu selten und niemals lange genug einen schwachen Ansatz und die Erinnerung daran lässt sich heute so unerwartet federleicht wegwischen und durch Erinnerungen an wirklich lebendiges Leben ersetzen. Das kann ich nicht mehr beiseite schieben. Da habe ich Angst, dass ich morgen gar nicht mehr aufstehe und damit womöglich die allerletzte Chance verpasse.


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