Das „Vier-Ohren-Modell“

Kommunikation

Normalerweise sitzt man jemandem gegenüber, wenn man sich unterhält und kann anhand der Mimik des Gegenüber seine Worte schneller und besser einordnen. Diese Mimik haben wir im Internet nicht, darum ist es umso wichtiger, die Worte unmissverständlich zu wählen und auch genau mitzuteilen, wem das Gesagte gilt. Vieles kann man dabei mit den Emoticons unterstützen.

Trotzdem schreibe ich hier mal ein wenig über das Vier-Ohren-Modell. Ich glaube, dass es auch bei der Kommunikation im Internet hilfreich sein kann. Während meiner Weiterbildung wurden wir in Betrieblicher Kommunikation unterrichtet, dazu gehörte dieses Modell. Einige von euch kennen es vielleicht noch nicht. Ihr könnt es anwenden im privaten Bereich und bei der Arbeit.

Eine Regel, die an oberster Stelle stehen sollte ist: SENDE ICH-BOTSCHAFTEN

Sag nicht: „Immer knallst du die Tür!“

sondern: „Es stört mich, dass du die Tür so laut zu machst.“

Das ist schon mal die halbe Miete. Tja – und dann gibt es dieses Vier-Ohren-Modell, was bedeutet, dass eine Nachricht vier Seiten hat.

Ich hab einfach mal die Zeichnung aus dem Unterricht genommen, um zu zeigen, was gemeint ist.

Selbstoffenbarung: das besondere Interesse des Zuhörers gilt dem anderen Menschen und beim Zuhören läuft die Frage mit „Wie steht er zu mir?“, bei Aufforderungen/Appellen fragt sich der Zuhörer innerlich „Was soll ich jetzt fühlen, denken, tun?“

Konflikte können dadurch auftreten, dass der Gesprächspartner etwas anders aufnimmt, als der andere es meint. Und das liegt daran, dass Menschen unterschiedlich stark sensibilisiert sind für die vier Arten von Botschaften.

Auf der Basis dieser Überlegungen entwickelte Schulz von Thun sein Vier-Ohren-Modell. Er sagt, der Mensch brauche eigentlich vier Ohren – für jede Nachrichtenart eines, und meist sei nicht bewusst, dass nur „ein Ohr weit offen“ stünde und auf diese Weise Kommunikationsweichen gestellt würden.

SENDER
verschlüsselt Nachricht
EMPFÄNGER
entschlüsselt Nachricht
Sachinhalt:
worüber ich informiere
SACHBOTSCHAFT Sach-Ohr:
wie ist das Gesagte zu verstehen?
Selbstoffenbarung:
was ich selbst von mir kundgebe
SELBSTOFFENBARUNGS- BOTSCHAFT Selbstoffenbarungsohr:
was für ein Mensch ist mein Gegenüber?
Beziehung:
was ich von dir halte und wie ich zu dir stehe
BEZIEHUNGSBOTSCHAFT Beziehungsohr:
wen glaubt er, vor sich zu haben? wie steht er zu mir?
Appell:
wozu ich dich veranlassen möchte
APPELL Appell-Ohr:
was soll ich aufgrund seiner mitteilung fühlen, denken, tun?

Beispiel: ein großes Beziehungsohr

Einige Studenten treffen sich in einer Arbeitsgruppe. Hans sagt zum Tutor: „Du siehst heute richtig gut aus!“

Der erwidert betreten: „Ich weiß, sonst sehe ich immer etwas ungepflegt aus.“

Hier liegt der Empfänger auf der „Beziehungslauer“. In jeder Nachricht wittert er/sie gegen ihn gerichtete Gemeinheiten. Besser ist das „Selbstoffenbarungs-Ohr“, das die Nachricht aufnimmt unter dem Aspekt: „Was sagt sie mir über dich?“

In der Art der Formulierung oder im Tonfall spiegeln sich die Beziehungsaspekte wieder. Es wird erkennbar, ob der Gesprächspartner den Empfänger als gleichberechtigt betrachtet oder ihn vielleicht als ihm unter- oder übergeordnet einstuft.

Im Internet ist es um so wichtiger, Aussagen sachlich zu formulieren und möglichst wenig Raum für Interpretation zu bieten. So, als würde man einen Roman für jemanden schreiben, bei dem die Handlung in einem fremden Land stattfindet. Im Herbst hat die Linde gelbe anstatt der grünen Blätter.

Wenn man mit allen „vier Ohren“ zuhört, vermeidet man eine Menge Missverständnisse.

Mehr dazu hier: Homepage Schulz von Thun

bei Wikipedia:   Vier-Ohren-Modell

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