Nein – ich wiederhole das nicht alles, was chaotisches an diesem Tag passiert ist. Das war mindestens ein Adrenalinschub zu viel.
Der Vollmond lauert, die Menschen stressen durch die Gegend, weil sie nicht wissen, wo sie ihre frisches Geld als erstes ausgeben sollen und auch der Mensch, der die Heizung abgelesen hat, war stressig. Ich kam kaum hinterher mit meinem Zettel.
Noch immer atemlos hab ich den Hauptsitz der Herstellerfirma dieser Ablesegeräte in Essen ausgemacht, wurde zur zuständigen Niederlassung weiter verwiesen. Die erst etwas sagen wollen, wenn sie die Ablesedaten von „ihrem“ Mann vorliegen haben, aber schon wissen, dass es keinesfalls an ihren Geräten liegen kann.
Also die Hausverwaltung alarmieren (ist der passende Ausdruck, in Anbetracht der Tatsache, dass ausgerechnet der Raum, der im Prinzip gar nicht beheizt wird, die Küche nämlich, dass also genau dieser kleine Raum 200 Punkte über dem Wert des vorjahres liegt, während die anderen Räume ungefähr 200 Punkte unter dem Vorjahreswert liegen. Außerdem zermatscht allmählich der Müll auf dem Balkon nebenan.
Es stresst mich jedesmal, wenn ich jemandem Kontra geben muss.
Die Hausverwaltung schickt mich weiter zum Hausmeister unserer Anlage, der soll gegebenenfalls die Handwerker beauftragen.
„Ach, dass ich gar nicht mehr zuständig bin für Sie, sondern Frau XY, wissen Sie…“
„Nein, weiß ich nicht“
Danach aufs Fahrrad und zu meinem Lieblingsamt.
30 Leute vor mir.
Neben mir ein junges Pärchen, dass es höchst amüsant findet, sich gegenseitig zu bespucken.
„Aber nicht so viel!“ ruft sie, während er ein Händespucken andeutet.
Derweil rennt beider Kleinkind mit diversem Zeugs aus der Spielkiste zwischen uns herum.
Ich denke, hoffentlich verspucken sich die beiden nicht, hab keinen Regenschirm dabei.
Am liebsten würde ich schlafen.
Peng! Meine Nummer wird aufgerufen, ich reiße wenig schwungvoll meine Bandscheiben vom Stuhl.
„Urlaub, ich hatte mit Frau Sowieso telefoniert und sollte mich hier bei Ihnen wegen der Formalitäten melden.“
„Haben Sie Ihren Ausweis dabei?“
Den muss ich heute zum ersten Mal vorzeigen. Irgendwo ist der. Da.
„Der ist ungültig“
Einen anderen habe ich nicht.
Name, Anschrift… „Wann bis wann?“
…
„Geht nicht, Sie können frühestens eine Woche vor dem ersten Urlaubsrag diesen Antrag stellen.“
Adrenalin… keins mehr da. Ich sacke zusammen. 63 Kilo auf 1,20 geschrumpft in zwei Hundertstelsekunden.
„Ich muss, Ma kommt ins Krankenhaus, ich hatte das schon alles mit Frau Sowieso am Telefon geklärt. Von dieser Frist weiß ich nichts, sie hat nichts gesagt.“
„Sie müssen zur Verfügung stehen, Sie könnten eine Vorladung bekommen.“
Ich glaube bestimmt, sie hat davor bei Gericht gearbeitet.
„Ich muss das Ticket holen, jetzt, sonst bekomme ich die Ermäßigung nicht. Und ich war doch erst zur Beratung…“
Sie flüstert:
„Ich will mal die Augen…“ und druckt das ersehnte Papier aus.
Eigentlich könnte sich mein Körper ja aus dem Schrumpfungsprozess heraus begeben – klappt nicht.
Wie ein Schuhspanner ohne Schuh schlurfe ich aus dem Amt. Frischluft.
Fahrrad, zur Bank, Bahnkarte holen, nach Haus. Nich ganz, noch was einkaufen…
Ach hätte ich den Rechner besser ausgelassen. Katzen haben es gut: gucken, strecken, gucken, wieder hinsetzen
und das Laub beobachten.
Möge der heutige Tag besser werden.



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