Die Liegenbleibphase hab ich überwunden. Was folgt, ist die Denkphase…Denkphase, die erste, in diesem Sommer zumindest.
Hab ja genug Zeit zum Denken. Meine Ärztin hat mal gesagt, ich soll das nicht. Das wäre an der Grenze zum Grübelzwang. Aber manchmal werd ich ja noch dürfen.
Denkphasen beginnen unterschiedlich, will sagen, sie haben verschiedene Ursachen. Am häufigsten, in meinem Fall, haben sie Mutter als Ursache. Weil die nur 15 Meter entfernt wohnt und nahezu täglich von sich hören lässt. Überwiegend gestaltet sich das harmonisch, zum Glück. Manchmal verfluche ich das auch. Wenn Themen an der Tagesordnung sind, die mich an meine vor mehr als zehn Jahren beendete letzte Ehe erinnern.
Dann gibt es Denkphasen, die in Gang kommen, weil ich NTV oder Phönix geschaut habe. Politische Themen machen mich wahnsinnig wegen der Ohnmacht, die mich dabei überfällt. Und ich unternehme schnellstmöglichst alles, was in meiner Macht steht, um aus der Denkphase wieder heraus zu kommen. Meditation und Selbsthypnose zum Beispiel (letztgenanntes war ein Joke, kann ich nicht ohne Anleitungsbuch) oder um den Block joggen oder heiß baden (bei 37 Grad im Schatten letztgenanntes nicht, da eher den Kopf in das Eisfach stecken).
Und diese Denkphasen, die immer wieder zum gleichen Thema aufkommen, wenn ich alte Notizen, Fotos oder Skizzen in die Hand nehme: was habe ich eigentlich davon gehabt, dass ich versuchte, mich der sogenannten normalen Gesellschaft anzupassen?
Seit ich das versucht habe, konnte ich zwar meine Schulden abbauen und damit den ein oder anderen zufrieden stellen. Dafür ist aber die Kreativität ziemlich auf der Strecke geblieben. Und mein Mut zu sagen, ich sei außergewöhnlich und meine kreativen Aktivitäten dürften nicht im Keller verschimmeln hat darunter arg gelitten.
In einem Kommentar zur Liegenbleibphase werde ich gefragt, ob ich meine Bilder nicht verkaufen kann. Das fragen die mich im Jobcenter auch immer, wenn sie im Lebenslauf lesen, dass ich schon ausgestellt habe. Da denke ich nun darüber nach, ob ich meine Aquarelle und Zeichnungen wohl mit Tesafilm an die Wände eines Ausstellungsraumes kleben kann. Kann frau das machen? Weil sie nicht genug Kleingeld für Rahmen hat? Oder mit Prittstift in die Fenster eines Bankgebäudes? Schätze, die werden sich da bedanken.
In meiner Sturm- und Drang – Phase vor 17 Jahren hab ich über solche Fragen gar nicht nachgedacht. Ich habs einfach gemacht im Bewusstsein, dass es schön schräg auf gewisse Leute wirkt, die das nach meinem Dafürhalten so und nicht anders verdienten. Heute frage ich mich, ob ich wohl nochmal die emotio so ins Zentrum meines Bewusstseins schieben kann, wie es mir früher gelang.
Neulich sagte ich, seit ich in der langjährigen Therapie gelernt hätte, mit Worten auszudrücken, was meinen Geist beschäftigt, sei ich kaum noch in der Lage, Bilder zu malen, die einen Wow-Effekt zu Folge hätten. Ich hab halt früher all meinen Frust und meine Zufriedenheit in Malerei ausgedrückt. Brauch ich also Pinsel und Farbe nicht mehr, um etwas mitzuteilen. Genauso wenig, wie ich täglich in mein Tagebuch schreiben muss. Nach der Art, wie ich mich an der Staffelei damals ausgetobt habe, sehne ich mich sehr zurück. Da gab es keine langen Denkphasen, das waren ergiebige Staffeleiphasen mit vollkommen eigenen Sachen…..




Netzpolitik.org





Wer hat das gesagt?