Kann man Kunst erklären?
Porträt von Robert Smith (Frontmann von THE CURE)
36×48 cm, Acryl, 2004
Denkt ein Künstler beim Malen oder nicht?
Und ist Gegenständlichkeit weniger Kunst als Abstraktion?
Bei Tina läuft eine Diskussion, bei der diese Fragen gestellt wurden.
Beim Malen stelle ich mir diese Fragen nicht und genauso wenig denke ich darüber nach, ob es jemandem gefällt, was ich mache. Es passiert einfach. Stellt mir jemand eine Aufgabe, sagt „Male mir den röhrenden Hirsch“ auf meine alte Milchkanne und „male ihn gegenständlich“, dann ist es im Grunde ein Handwerk, dass ich ausübe. Suche mir ein Foto vom Hirschen und bilde ihn möglichst realistisch ab, weil es so gewünscht ist.
Wenn ich ohne Auftrag male, spiegelt schon die Wahl des Motivs (wenn es denn eines gibt, es könnten ja auch nur Farben sein) meine momentane Verfassung wieder, mein Denken, mein Fühlen.
Robert Smith ist ein „Abgedrehter“, die Musik der Band nicht jedermanns Sache.
Gemalt habe ich das Bild in einer Experimentier-Phase, das Mittel Acryl war ein neues Medium für mich und die Porträtmalerei nicht weniger neu. Die Musik von THE CURE höre ich manchmal, einige Songs gefallen mir, vieles ist mir zu „dunkel“.
Vor fünf Jahren wurden meine Depressionen noch mit Tabletten „im Rahmen“ gehalten und es gab keinen Augenblick, in dem ich nicht über irgendwas nachdachte.
Mein Ziel beim Malen war, markante Züge der Person mit möglichst wenig sichtbar zu machen, das sind bei mir fast immer Augen und Mund. Die wirre Frisur wurde dann zum Selbstläufer – beim Malen nicht bewusst drüber nachgedacht. Hinterher, beim Betrachten, war mir schon klar, dass ich die Ausstrahlung des Sängers und das Dunkle in seinen Texten vor Augen hatte, als ich die Haarsträhnen malte – schwarz und rot, die klassischen Farben, um Angst oder Trauer darzustellen.
Der Ansatz von Regenbogenfarben beim Hintergrund schwächt das Finstere ab – da hab ich nicht drüber nachgedacht, als ich malte.Da ich heute noch weiß, in welcher Situation ich mich vor fünf Jahren befand, könnte ich eins und eins zusammen zählen und das Bild erklären.
Aber dann könnte ich eigentlich auch gleich einfach „nur“ schreiben… oder?
Das Spiel mit Farben ist faszinierend, auszuprobieren, was geht, was passiert – aufregend und entspannend zugleich. Warum ich das nicht einfach lassen kann – das ist der Punkt, den ich nicht mehr erklären kann.
Wer hat das gesagt?