Der letzte Tag des Jahres präsentierte sich in strahlendem Sonnenschein und lockte mich nachmittags aus dem Haus. Die Geschäfte hatten rechtzeitig geschlossen und keine Verkehrshektik trübte den Genuss eines Spaziergangs durch die Stadt. Vereinzelt waren die ersten Probeböller zu hören und meinen Rückweg verschönte mir der feuerrote Ball der untergehenden Sonne.
Ich hatte mit fest vorgenommen am Abend tanzen zu gehen, doch es kam anders. nach meinem leckeren Eintopf wollte ich mich erheben – es blieb beim Wollen, mein Rücken spielte nicht mit. Den letzten Hexenschuss hatte ich ein gutes Jahr zuvor und der Rückenschmerz, der nun das lockere Aufstehen verhinderte, war mir nur allzu bekannt. Also nix mit Tanzen. Was gibt die bunte Kiste her? Jede Menge Lifemusik auf 3 Sat, na gut, Wärmflasche… das hat nicht sollen sein.
Stündlich setzte ich ein Wunsch-Bild in meinen Blog, aß eine halbe Tafel Schokolade zwischendurch, telefonierte mit meiner Ma, die den Jahresabschluss auch allein zu Haus in ihrem hess- ischen Dörfchen verbrachte.
Um halb zwölf entkorkte ich die Sektflasche, goss mir das erste Gläschen ein und rief nochmal meine Ma an. Das war fünf vor zwölf. So haben wir uns ganz pünktlich aus der Ferne zugepro- stet und abwechselnd die Hörer aus dem Fenster gehalten, damit der andere nichts vom Geböller verpasst und uns gegenseitig die aufsteigenden Raketen beschrieben. Ein lustiger Jahresab- schluss mit Frauenwitzen und Gläserklingeln durchs Telefon.
Neujahrsmorgen – man soll mit dem weiter machen, womit man in einer feuchtfröhlichen Nacht aufgehört hat. Bei mir gab es nicht nur Sektfrühstück, nein, auch die Wärmflasche gehörte wieder dazu. Ich schlich durch meine Wohnung wie eine uralte Frau. Autsch!
Prost Neujahr! Kann ja nur besser werden!


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